Abstrakte Malerei- heute und damals |
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"Die Bildende Kunst beginnt niemals bei einer poetischen Stimmung oder Idee, sondern beim Bau einer oder mehrerer Figuren, bei der Zusammenstimmung einiger Farben und Tonwerte oder bei der Abwägung von Raumverhältnissen usw. Ob dann eine jener Ideen (poetischer Inhalt) hinzukommt..., sie kann es, doch sie muss es nicht."
Paul Klee, 1903
Die abstrakte Malerei mit all ihren Facetten ist heute wohl eines der umfangreichsten Ausdrucksmittel überhaupt- aber viel Neues in diesem Sinne gibt es hier nicht mehr- das Thema kann nur weiterentwickelt werden und jeder in seinem ihm eigenen Stil sein Feld vervollständigen. So entstehen immer wieder andere Perspektiven in der Sicht und Arbeitsweise der Künstler. Seinen Ursprung hatte die Abstrakte schon um die Jahrhundertwende, als die ersten Befreiungsakte in der Kunst seinen Lauf nahmen. Die ersten abstrakten Bilder entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
In der Malerei nahm die Abstrakte als erstes seinen Weg. Später wurde der Stil auch in der Skulptur oder Plastik und auf andere Kunstformen übernommen. Dingliches kann in Ansätzen auch in einem abstrakten Kunstwerk in Erscheinung treten, jedoch in sehr stark abgewandelter Form, aber es lässt den Betrachter noch die dargestellte Form- Tiere- Blumen- erahnen, auch völlig aus Formen sowie Farben gebildet sind.
Ein uraltes Problem ist die Erkenntnis der Wirklichkeit in der Menschheit. Als Urgrund des Seins unterschied Platon zwischen sinnlich wahrnehmbaren Welten und dem Reich der Ideen. Über der irdischen Wirklichkeit sah man im christlichen Mittelalter eine himmlische Dimension. Im Bereich der sinnlichen Anschauung behalten die Gesetze der klassischen Mechanik ihre Gültigkeit. In einer erfassbaren Wirklichkeit gelten noch immer die Grundkonstanten unsere Anschauung - (Raum, Zeit, Materie, Energie, Gravitation)- Diesen Dualismus haben seit einiger Zeit besonders Wissenschaftler sichtbar erläutert, es ist nur noch bedingt relativ. In diesem neu entdeckten Wirklichkeitsraum, der mit vier Dimensionen rechnet, scheinen bisherige Naturgesetze aufgehoben zu sein.
Mit viele Stilrichtungen , fast völlig verzichtend auf die Abbildung von Gegenständen, wie Landschaften, Personen oder anderen sofort erkennbaren Motiven, bildet sich in der abstrakten Malerei nicht eine konkrete, sichtbare Wirklichkeit ab. Es finden sich hier nur noch Abstrahierte oder auch als abstrakte Formen bekannte- durch Bewegung, Farbe, Strukturen und Formen- Elemente heraus. Es ist eine reine Komposition der Farben mit ihren Hilfsmitteln, die nun in dieser Richtung in den Vordergrund der künstlerischen Arbeiten tritt. Als absolute oder gegenstandfreie Malerei bezeichnet man auch die abstrakte Malerei. Sie versucht das Wesen von Phänomenen, die innere Wirklichkeit abzubilden. Einer unfassbaren Wirklichkeit gegenüberzustehen, das Gefühl einer höheren Wahrnehmung, erfüllt die moderne Malerei mit Misstrauen gegen die dinglich – wahrnehmbaren Welten.
Ihren Charakter der reinen Abbildung hat sie verloren, sondern es tritt das Element Natur, nachahmender Bewegungen ins Bild der abstrakten Malerei und der Betrachter versucht satt dessen die erweiterte Wirklichkeit zu deuten. Daher kann diese Malerei auch nicht die soziale Funktion der alten überlieferten herkömmlichen Malerei, der religiösen, gesellschaftlichen oder humanitären Bereichen zufiel, gerecht werden, in Sinne manches Betrachters. Sie dient letztendlich nur noch der Bewegung des einzelnen Menschen und dessen daraus zu assoziierende Mitteilung eines Künstlers- Ausdruck- Form- Struktur. - was er selbst ist in seiner Gegenwart und umsetzt.
In Paris wurde in den Jahren 1931 bis 1937 eine Künstlervereinigung gegründet.
Die „ Abstraktion – Crèation“, war ein Sammelpunkt der Geistigkeiten in der Bildenden Kunst, die ihr Anliegen als Abstrakte durchsetzten und letztendlich zur ihrer Steigerung und gesellschaftlichen Anerkennung beitrugen. So wurde diese abstrakte Malerei langsam akzeptiert. Sie leisteten inhaltliche und öffentlichkeitswirksame Arbeit. – die uns Künstler heute noch zu Gute kommt!-
Einige Künstler arbeiten heute auch viel in der Technik mit laufenden Farben, aber auch gleichzeitig bedienen sie sich der Technik des Spachtelns, dem sattem Farbauftrag auf ihren Leinwänden. Menschliche Gestalten treten wie aus Tunneln hervor und verschwinden wieder- zumindest dem Betrachter suggeriert und dessen Empfindungen - so entstehen dreidimensional wirkende Arbeiten.
Malerei ist immer ein Aufeinandertreffen von Farben - ein Farbtreffen sozusagen und der Künstler ist derjenige, der dieses Treffen arrangiert. Jede Malerei funktioniert in dieser Weise. Mal bilden sich in diesem Treffen Gegenstände, mal abstrakte Formen, mal sind es nur die Farben, die für sich stehen oder Materialien, die verwandt werden.
Es sind aber nicht irgendwelche Farben: Es sind die Farben Weiß, Grün, Schwarz, Rot und Blau. Also auch die Grundfarben, das heißt, jene Farben aus denen alle anderen Farben gemischt werden können. Sie sind die Ursprünge aller Farben, die Mütter aller Farben. Hier verwenden einige Künstler auch Pigmente, die sie in der Konsistenz selbst bestimmen können, ebenso deren Wirkung. Wenn Sie rein auftauchen, entwickeln sie eine einzigartige Wirkung, die keine Farbe, keine Mischfarbe in dieser Intensität vermittelt. Die Grundfarben scheinen, mehr als andere Farben, ein Recht darauf zu haben, für sich selbst zu stehen, nichts zu bedeuten, als sich selbst.
Farben um ihrer Farbigkeit willen sozusagen. Die besondere Wirkung der reinen Farben, ist, wie sie alle wissen, ein wichtiges Thema in der Kunst des zwanzigsten Jahrhundert
Inwiefern kommen im Vermittlungsprozess der Künstler zum Betrachter körperlich- geistige Aspekte zum Tragen? Hier greift man in die Technik ein und gibt durch mehrere Schichten des Farbauftrages den Bildern im Raum eine besondere Tiefe. Verstärkt auch durch das Auftragen anderer Materialien, wie - Spachtelmasse, Stoffe, Papier, Sand – die praktisch aus dem Bild heraustreten. So wirken sie wieder reliefartig.
Die meisten Werke heute, sind eine Reise ins Denken und Umdenken, denn viele Menschen verstehen bis heute noch immer nicht die abstrakte Malerei - eine Reise im Umdenken eines jeden Betrachters- Die zurückgelegte Wegstrecke und das Medium Bild, Lesbares und Sichtbares durch ein Einfangen des Unendlichen, was im kleinsten Detail miteinander verbindet, könnte der Ausgangspunkt und der Kern, der Ursprung einer Arbeit sein.
Es entsteht ein Bezug zum Virtuellen. Es entsteht ein neuer Blick, von der Seite aus betrachtet, das Treiben auf der Erde, bis es ins Unendliche versinkt und er in einem maritimen Lichthorizont - und ganz aus der Nähe kann man die Menschenfiguren erkennen oder auch andere Naturmotive oder nur rein die Farbe in ihrer verschiedenen Wirkung und Kraft.
Ein solcher pluraler Blick auf das Entfernte und das Nahe lässt die Farben mit dem Dargestellten verschmelzen. Eins werden mit dem Auge in einem Raum ohne Mittelpunkt an sich um das Geschehen des Themas begreifen zu lernen.
Die heutigen Künstler suchen nach immer neuen Konstellationen und malerischen Methoden, die Grundfarben miteinander ins Verhältnis zu setzen, oder Mischfarben stehen zu lassen- oder einfach Kontraste setzen- Denkanstöße geben. Mal lassen sie sie in wilden Gesten wie im Kampf aufeinander los, mal stehen sie streng und gesittet nebeneinander. Es werden oftmals Formen gestaltet, die in ihrer Komposition der Farbigkeit ihre jeweilige Bedeutung zuweisen.
Es gibt sogar Bilder, bei denen die Farbe völlig freien Lauf erhält - bei Schüttbildern zum Beispiel- bei denen die Leinwand auf den Boden des Ateliers liegt und man aus einem Eimer Farbe darüber schüttet, wodurch wie zufällig entstandene Explosionen entstehen. Die Farbe durch das Auftragen von Wasser wieder reduziert, abwäscht und wieder trocknen lässt und wieder neu aufträgt -
Also aus dem Bauch und Unterbewusstsein heraus gearbeitete Werke. Sie haben durch die vielen Arbeitsgänge, eine ungeahnte Wirkung. Diese entsteht dann wiederum durch die Mehrschichtungen der Farben. Sie greifen nach den Grenzen des Unbegrenzten, bemächtigten sich des Realen.
Beherrscht wird es durch den Künstler selber und lässt ein Unbewusstes des Sehens mit seinen Faltungen und Entfaltungen auf einer schwerelosen Ebene oftmals erkennen.
Diese neuen Sichtbarkeiten kombiniert vom perspektivischen Schema mit seinem Fluchtpunkt hin, unterscheiden - mehrere Elemente- die die Bilder und Zeichen – verbindet.
Eine neue Welt der Abstraktion, das Diagramm als Abstract, das die Vielfältigkeit von Richtungen in einem heutigen abstrakten Werk ermöglicht, das für den Weltblick charakteristisch ist. Es soll oft auch ein Anstoß zum Denken sein, nur in Form von Farben. Die abstrakten Maler sind meist offen für alles sichtbare, was so in Technik umgesetzt werden kann. Es entstehen Sichtbarkeiten- ein immer auf Neue- auf das Aufeinandertreffen von Farben.
So setzt sich die informelle Malerei weiter durch und ist heute ein fester Bestandteil in unserer Gesellschaft- was auch ein Spiegel dieser Bewegung ist- sie lehnt jede feste Kompositionsregel ab.
Durch spontane Rhythmik von Farbflecken und Linien werden geistige Impulse unmittelbar und ausgedrückt gesetzt. Der Begriff „ Art Informell“ ist nicht eindeutig zu definieren, denn was als Nicht- Form bezeichnet wird, umgeht doch nicht generell die Formfrage. Es werden immer wieder „ Türen“ eines jeden Künstlers offen gelassen- also, er kann sich seine Ausdrucksweise selbst gestalten- ohne gewisse Regeln. -
Im Endeffekt ist das Ziel dieser abstrakten Maler, ihre Empfindungen, das Unterbewusste auszudrücken. Alles geschieht unter Vermeidung rationaler Kontrolle durch das Auftragen der Farbe auf der Leinwand- in Farbflecken. Es werden spontane Emotionen sowie physische Spannungen des Künstlers sichtbar gemacht- was in einem abstrakten Werk endet. Oftmals wird die bewusste Formgestaltung aber unterbunden, denn viele Maler lehnen es ab, sie bekennen sich zur Spontaneität des Schaffensaktes. Zum Ausdruck menschlicher Bewegungsrhythmen und Handlungsimpulse. Es ist ein Versuch – ein Spiel des Zufalls durch spontanes Auftragen von Farben, Farbklecksen ohne überlegte Kompositionsprinzipien wiederzugeben.
Es entsteht ein surrealistisches Schöpfungselement aus dem Unterbewusstsein. Letztendlich sind sie dynamisch: aus Linien, Farbklecksen, Tropfen, laufender Farbe und Materialien zusammengesetzt, strahlen jedoch eine gewisse Harmonie aus, die beruhigend wirkt auf den Schauenden, denn jeder Betrachter erkennt etwas anderes in einem abstrakten Bild. Und das ist auch gut so, denn nur so kann die Kreativität und Anschauung eines jeden Menschen erweitert werden- denn was wären wir ohne Harmonie und Kreativität in der heutigen Zeit?
Alles ist so wieder offen- wie oftmals vom Künstler gewollt und vorgesehen- jeder Betrachtende sieht es persönlich aus seiner im eignen Perspektive und aus seiner für ihn geschaffenen eigenen Welt. Es wird so zum Denken angeregt und verschiedene Wahrnehmungen bekommen so ihren Ausdruck und Interpretation einen jeden Einzelnen.
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