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Marcus Vallböhmer
Marcus Vallböhmer
Beiträge: 26

Freskomalerei

Verfasst am: 22.10.2007 18:10   |   Gelesen: 1022

Die Freskomalerei

Fresko (ital. al fresko=aufs Frische) ist eine Wandmalerei auf frisch aufgetragenen, noch feuchten Putz, mit dem sich die Farben unlöslich verbinden, Putz und Malerei eine Einheit bilden. Nur die Malerei in den nassen Kalkputz wird Fresko bez. Fresco buono genannt und verdient diese Bezeichnung auch im wörtlichen Sinn. Oft wird als Fresko auch die Technik des fresco secco bezeichnet, wobei bei dieser Technik auf den trockenen Putz gemalt wird (z.B. mit Kaseinfarben). Im Aussenbereich hat sich aufgrund der hohen Schadstoffanteile in der Luft die Sillikatmaltechnik immer mehr durchgesetzt, da das Bindemittel Kaliwasserglas wesentlich widerstandsfähiger gegen säurehaltige Bestandteile unserer Atmosphäre ist. Mittlerweile wird diese Technik im Rahmen der Denkmalpflege als vollwertiger Ersatz zum Fresko anerkannt.

Die Freskomalerei beginnt also mit dem Anlegen der Putzschichten, die sorgfältig in vier Arbeitsgängen angebracht wird.

  1. der Spritzbewurf als Haftbrücke zwischen Mauer und Malschicht bestehend aus 3 Teilen Sand (grob) und 1 Teil Kalk.
  2. der Ausgleichsbewurf, in der gleichen Mischung, nur etwas dicker, dient zum ausgleichen von Unebenheiten und wird in einer Stärke von 1- 1,5 cm aufgetragen.
  3. die grobe Malschicht, aufgetragen in einer Stärke von 1 cm, gemischt aus 2 Teilen feinem Sand und 1 Teil Kalk. Nun könnte schon diese Schicht bemalt werden, sofern ein grober Untergrund gewünscht ist, üblich jedoch ist das auftragen eines -
  4. Feinputzes bestehend aus 1 Teil Feinsand oder Marmormehl und 1 Teil Kalk in einer Stärke von 3-5 mm aufgetragen. Die einzelnen Putzschichten werden in Abständen von  je ca. 20 Min. angebracht (die untere Schicht muss eine gewisse Festigkeit – Daumenprobe - erreichen)

Beim Trocknen der gemalten Putzfläche bildet sich nun an der Oberfläche ein Sinterhäutchen aus Kalziumkarbonat, es umgibt die kleinsten Sandkörnchen und Farbenauftrag wird durch diesen Vorgang gleichzeitig mitgebunden und wasserunlöslich gefestigt. Auf gut Deutsch – die Farbe versteinert sich mit dem Untergrund und bildet die anfangs erwähnte Einheit. Es sollte aber betont werden, dass der im Wasser gelöste Aetzkalk sich nur so lange mit Luftkohlensäure verbinden kann , wie Wasser vorhanden ist. Bei Abwesenheit von Wasser kann der chemische Prozess nicht eintreten. Somit sind wir an dem Punkt, an dem klar wird, was diese Technik dem Maler abverlangt, vor allem wenn man bedenkt, dass die meisten Freskoarbeiten die menschliche Grösse und Kraft übersteigen. (Randbemerkung: Fehler lassen sich in der Regel nur noch mit Hilfe eines Hammers korrigieren).

Also wird das gesamte Werk eingeteilt in „Tagwerke“ (giornate) d.h.. in Teile, die man in einem Rutsch bewältigen kann – Verputz und Bemalung – das erfordert sehr viel Geschick. Delacroix sagte einmal: „Der Zwang, in Fresko alles gleich fertig machen zu müssen, versetzt den Geist in eine Erregung, die einen rechten Gegensatz zur Faulheit in der Ölmalerei bietet“.

Zur Malerei: Ein gutes Konzept und ein genauer Entwurf sind Grundvoraussetzung für ein gelungenes Werk. Zeichnungen werden 1:1 im Voraus auf Karton oder Transparentpapier gefertigt, die dann nach Anlegen des Putzes aufgepaust werden. Dies geschieht entweder mit Perforierrad und Pausbeutel, oder die Konturen werden mit einem Pinselstil durchgedrückt.

An dieser Stelle sei nochmals erwähnt, dass die Arbeitszeit beschränkt ist, daher sollte man die Arbeit durch fleissige Vorstudien so klar im Kopf haben, dass man sie leicht, frei und flott in aller Frische schaffen kann.

Farben: Es können ausschliesslich alkalibeständige Pigmente verwendet werden - unverschnitten in allerbester Qualität. Die Pigmente werden im Sinterwasser (Kalklauge) angeteigt und malfertig verdünnt, für Weisshellungen wird guter Grubenkalk verwendet. Zu beachten ist der Umstand, dass alle Farben heller auftrocknen, daher sollte sich der Maler über den Tonwert der Farben vorher im Klaren sein - es ist von Vorteil vor der Arbeit Vergleichsproben zu machen. Mehr als bei jeder Technik der Malerei kommt es hier auf eine gute handwerkliche Grundlage an, sie ist geradezu die unerlässliche Vorbedingung für Freskomaler.

Es gibt wohl kaum eine andere Maltechnik, bei der Jahrhunderte alte Meisterwerke so gut erhalten sind wie die in der Freskotechnik ausgeführten.



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bergerarts

Beiträge: 35
23.10.2007 17:07

Lieber Markus....

das hätte mir mein Prof. früher an der HfBK nicht besser verklickern können! Super, wie Du alles beschrieben hast...heute kann kaum noch ein Künstler die alten Techniken...schade eigentlich- haben viele Leute keine Lust mehr ?... denn es macht ja auch Arbeit, kostet Zeit, Können und Geduld..oder?

- - aber der Ausdruck und die Tiefe der Farben sind unübertrefflich! Bei vielen geht es nur ums produzieren.., denke ich manchmal und nicht mehr um Qualität und das Ergebnis..Acrylfarbe aus einer Dose quetschen ohne sie zu mischen und fertig...ein Foto an die Wnad werfen mit einem Diaprojektor, abkupfern auf eine Leinwand, anstatt etwas selber, von innen heraus machen...das habe ich schon oft erlebt und gesehen...aber das ist eben nichts von Dauer!

In diesem sinne...mach weiter so und bis bald
Liebe Grüße aus dem Norden

Juliane

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Close Marcus Vallböhmer
Marcus Vallböhmer

Beiträge: 26
23.10.2007 19:56

Hallo Juliane!
Danke für Deinen Kommentar. Man könnte sicherlich noch ausführlicher darüber schreiben, doch im Grunde geht es mir bei der Darstellung traditioneller Arbeitsweisen, um die Wertschätzung alter Meisterwerke. Wer die Technik der Freskomalerei kennt, sieht so manches Werk mit anderen Augen und kann nur bewundernd anerkennen. Ausserdem lehrt es mich Bescheidenheit im Bezug auf das eigene Talent.
Auch in der heutigen Zeit gibt es noch begabte Künstler, die dieses Handwerk beherrschen, doch es sind Künstler, die wohl kaum im Art Magazin erscheinen und doch zufrieden sind.
Viele Grüsse Marcus

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